Grenzüberschreitende Geste gegen das Vergessen

09.05.2011

In der Nacht zum 1. Mai 1811 beraubt und ermordet die Hölzerlips-Bande den Winterthurer Kaufmann Hans Jakob Rieter in der Postkutsche am Rande des Odenwalds auf der Rückkehr von der Frankfurter Messe. Am 5. Mai 1811 stirbt Rieter an den Verletzungen. Am 31. Juli 1812, kurz nach 12 Uhr, werden nach einem Schauprozess auf dem Heidelberger Marktplatz vier Räuber der sechs Bandenmitglieder auf dem Richtplatz vor der Stadt durch das Schwert hingerichtet. Zwei junge Räuber wurden in letzter Minute durch ein Schreiben des Grossherzogs Karl von Baden begnadigt, ihre Todesstrafen in lebenslange Zuchthausstrafen umgewandelt. Der lokalgeschichtlich interessierte Heidelberger Rechtsanwalt, Dieter Bahls, betätigt sich als städtischer Fremdenführer und zeigte vor einiger Zeit einer Gästegruppe aus Winterthur den Gedenkstein ihres Landsmanns Hans Jakob Rieter. Ein Teilnehmer jener Führung schickte eine Kopie eines ausführlichen Artikels des Landboten zum Raubüberfall auf Rieter nach Heidelberg, worauf Bahls fand, der Vorfall müsse auch am Ort des Geschehens in Erinnerung gerufen werden. Er erklärte sich bereit – gleichsam als improvisierter Gedenkakt – einen Blumenstrauss an Rieters Grabstein niederzu-legen. Und so kam es, dass Hans Jakob Rieters Schicksal auch in der Rhein-Neckar-Zeitung vom 6. Mai eine gebührende Erwähnung fand.

Quelle: Landbote vom 17. Mai 2011

 

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