Wirtschaftsentwicklung 2012 leicht über Vorjahr - kein weiteres Wachstum für 2013 erwartet

05.11.2012

Für einmal präsentiert sich die Entwicklung des Winterthurer Gewerbes, wie unsere alljährliche Umfrage bei den Mitgliedsverbänden zeigte, wenig spektakulär. Die Wogen der letzten Jahre bezüglich Wirtschaftssituation haben sich wohl etwas geglättet. Die Situation der in unserem Verband organisierten Mitgliedsfirmen im Jahr 2012 kann
deshalb als positiv bezeichnet werden.


Was sich bereits im letzten Jahr abgezeichnet hat, wurde 2012 bestätigt. Unsere Mitgliedsfirmen, vorab diejenigen, die lokal und regional tätig sind, haben die angespannte Wirtschaftssituation der Vorjahre gut überstanden. Dabei soll nicht verschwiegen werden, dass den international tätigen KMU der Wind nach wie vor ins Gesicht bläst. Die Stabilisierung des Frankens, dank der Nationalbank, vereinfacht die Situation etwas. Der Preiskampf dauert nach wie vor an, da vor allem die Konsumenten aufgrund der vermehrt publizierten Preisvergleiche mit dem Ausland namhafte Preissenkungen erwarteten. Die erneuten Gebührenerhöhungen durch die Stadt Winterthur (Strom, Wasser) sowie der Entwurf der Parkplatzverordnung, wovon die Winterthurer Unternehmen direkt betroffen sind, führten zu mässig Verständnis (Strom, Wasser) bzw. zu keinem Verständnis (Parkplatzverordnung).


Wirtschaftssituation 2012

1. Umsatz und Gewinnentwicklung gegenüber Vorjahr

Beim Vergleich der Umsatzentwicklung über alle Branchen hat sich die Prognose einer Umsatzsteigerung bestätigt. Erwartet wurde letztes Jahr eine durchschnittliche Umsatzsteigerung von 0,2 %. Diese Erwartung wurde mit einem Durchschnittswert von 1,2 % übertroffen. Leider mussten die Erfa-Gruppe Heizung/Lüftung sowie der Bereich Automobil + Transport Umsatzeinbussen bis zu 2 % hinnehmen. Auffällig ist bei den übrigen Branchen die breite Streuung von 0 % (Gebäudetechnikund Malerunternehmerverband) bis hin zu 2 bis 5 % (Schreinermeisterverband) und gar bis 10 % Architektur + Planung, als Spitzenreiter. Die hohe Umsatzsteigerung im Architektur- und Planungsbereich war in den letzten Jahren regelmässig ein verlässlicher Indikator für die Zunahme der Umsätze im Bauhauptgewerbe sowie im Ausbaubereich in absehbarer Zeit. Ein positives Signal für die Baubranche.


Angesichts der guten Umsatzentwicklung haben sich auch die Erträge der Unternehmen, wenn auch auf bescheidenem Niveau, entwickelt. Wurden im letzten Jahr noch Ertragseinbussen erwartet, zeigt die Umfrage im Jahr 2012 eine durchschnittliche Ertragssteigerung von 1,2 %. Ertragseinbussen im Bereich von bis zu 2 % müssen der Baumeisterverband (Hoch- und Tiefbau) sowie das Autogewerbe vermelden, währenddem die Mehrheit der übrigen Verbände Ertragssteigerungen bis 2 % vermelden konnte. Ausreisser nach oben ist auch hier die Berufsgruppe Architektur + Planung, deren Erträge zwischen 5 und 10 % liegen. Zweifellos ein gutes Ergebnis.


2. Auslastung und Arbeitsvorrat im aktuellen Jahr

Arbeitsvorrat und Auslastung sind nicht zuletzt Indikatoren für die Hektik im Business. Hoher Arbeitsvorrat und gute Auslastung führen zu Planungssicherheit und Personalstabilität. Die Kurzfristigkeit der eingehenden Aufträge hat sich in den letzten Jahren akzentuiert. Die Jahre von nahezu 100%-iger Auslastung und einem Arbeitsvorrat von über sechs Monaten dürften einstweilen vorbei sein. Erwarteten die Berufsverbände letztes Jahr für 2012 eine Auslastung von 95 %, erreichten sie gerade noch 90 %. Immer noch eine volle Auslastung melden die Baumeister, die Elektroinstallateure, die Gärtner sowie die Metall-Union. Schlusslicht bildet die Erfa-Gruppe Heizung/Lüftung. Unterdurchschnittlich ist die Auslastung auch im Auto- und Transportgewerbe mit 85 %.

Die positive Grundstimmung bei Kunden und Konsumenten schlägt sich im Arbeitsvorrat nieder, der bei durchschnittlich 3,2 Monaten liegt. Dieser Durchschnittswert wird jedoch der grossen Bandbreite
innerhalb der Branchen nicht gerecht. So hat die Berufsgruppe Architektur + Planung einen Arbeitsvorrat von über 6 Monaten, währenddem sich die Berufsgruppe Automobil + Transport mit einem halben Monat begnügen muss. Gute bzw. ausreichende Arbeitsvorräte mit 4 bis 5 Monaten finden sich bei den Baumeistern, Gärtnermeistern und Gebäudetechnikern. Interessant, dass im letzten Jahr mit 2,7 Monaten eine doch markant schlechtere Auslastung prognostiziert wurde.


3. Personal- und Lehrstellenentwicklung gegenüber Vorjahr

Die durchaus freundliche Wirtschaftssituation im Jahr 2012 spiegelt sich auch in der Personalentwicklung wider, konnten doch (fast) alle Branchen ihre Mitarbeitenden halten. Eine Ausnahme bildet die Gebäudetechnik, die ihren Personalbestand um bis 2 % reduzieren musste. Klar ist, dass die Berufsgruppe Architektur + Planung angesichts der florierenden Situation ihren Personalbestand bis 10 % ausgebaut hat. Die Mehrheit der Unternehmen meldete aber einen gleichbleibenden Personalbestand, d. h. eine Veränderung von 0 %. Der Durchschnittswert über alle Branchen liegt bei 0,8 %.

Unspektakulär präsentiert sich die Lehrstellenentwicklung. Die angebotenen Lehrstellen entsprechen dem Vorjahr. Um 0 bis 2 % haben der Gebäudetechnikverband und der Malerunternehmerverband ihre Lehrstellen abgebaut. Nach wie vor gilt es bei den Unternehmen, die geeignetsten Kandidaten zu finden, weshalb die Akquisition immer früher beginnt.


Wirtschaftsaussichten 2013

Wie immer fragen wir in unserer Umfrage auch nach den Prognosen für das Jahr 2013, auch wenn wir wissen, dass dies nicht ganz einfach ist. Jedenfalls spiegeln die Prognosen die allgemeine Stimmung in den Unternehmen wider und zeigen, wie sonnig oder eben bewölkt die kommende Wirtschaftsgrosswetterlage erwartet wird.

1. Umsatz und Gewinnentwicklung gegenüber Vorjahr

Entsprechend der traditionellen Zurückhaltung bei positiven Prognosen in KMU wird über alle Branchen für 2013 ein Umsatzwachstum von 0,5 % erwartet. Negativ beurteilen der Gärtnermeisterverband sowie wiederum die Maler und Automobil- und Transportunternehmen die Umsatzentwicklung und prognostizieren Einbussen von bis zu 2,5 %. Auf der anderen Seite der Skala erwarten Architekten und Planer und mit ihnen die Metzger eine Umsatzsteigerung von bis 5 %. Die übrigen Branchen gehen von gleichbleibenden Umsätzen bis zu einer Steigerung von max. 2 % aus.

Analog zu den Umsätzen werden auch die zu erwartenden Erträge prognostiziert, die im Schnitt im Jahr 2013 um 0,9 % steigen sollen. Schlusslicht bilden die Maler und das Automobilgewerbe, die analog zu den Umsätzen Ertragseinbussen bis zu 2 % erwarten. An der Spitze einmal mehr Architektur + Planung mit Ertragssteigerungserwartungen von bis zu 10 % oder der Gebäudetechnikverband mit gegen 2 %. Damit hätte dieser Verband die Talsohle mit entsprechenden Umstrukturierungen durchschritten.

2. Auslastung und Arbeitsvorrat 2013

Im Schnitt über die Berufsgruppen soll die Auslastung nochmals leicht auf 88,6 % sinken. Dies jedoch bei einer grossen Bandbreite von 60 bis 100 %. Schlusslicht bildet dabei die Erfa-Gruppe Heizung/Lüftung mit 60 %; Spitzenreiter mit 100 % sind der Hochbau und der Tiefbau, die Elektroinstallateure und die Metall-Union, knapp gefolgt vom Gärtnermeisterverband mit 95 %. Breit gestreut wiederum die Prognosen für den Arbeitsvorrat. Klar dürfte dabei sein, dass die Metzger mit Frischprodukten von der Hand in den Mund leben und deshalb keinen Arbeitsvorrat erwarten. Die übrigen Branchen erwarten eine Bandbreite von einem halben Monat (Automobil + Transport), bis 6 Monate bei den Architekten + Planern. Die Erwartungen sind mit durchschnittlich 2,4 Monaten
nochmals 0,8 Monate unter den letztjährigen Erwartungen. Der Arbeitsvorrat dürfte also nochmals zurückgehen.

 

3. Personal- und Lehrstellenentwicklung gegenüber Vorjahr

Stabil soll sich die Personalsituation im Jahr 2013 präsentieren. Entsprechend der stagnierenden Gewinnerwartungen geht der Malerunternehmerverband von einer Personalreduktion bis 5 % aus. Eine Vergrösserung des Personalbestands bis 2 % erwarten neben den Gärtnern und den Gebäudetechnikern die Architekten + Planer, die damit auf die gesteigerten Umsatzerwartungen reagieren. Die überwiegende Mehrheit der Branchen erwartet keine Personalsteigerungen, woraus sich auch der rechnerische Durchschnitt von 0 % mit Bezug auf die erwartete Personalentwicklung im Jahr 2013 ergibt.

Kein anderes Ziel zeigt sich bei der Lehrstellenentwicklung. Mit Ausnahme der Metall-Union, die einen Ausbau der Lehrstellen um bis zu 2 % prognostiziert, und der bedauerlichen Lehrstellenreduktion um bis zu 5 % im Malergewerbe, möchten alle anderen Unternehmen die angebotene Lehrstellenzahl halten. Eine positive Meldung für alle Schulabgänger.


Zusammenarbeit mit Verwaltung und Behörden

Auch im letzten Jahr fanden die beiden Aussprachen des Bauhaupt- und Ausbaugewerbes mit Vertretern bzw. Vertreterinnen des Stadtrates statt, wo verschiedene Themen behandelt wurden. Die Zusammenarbeit der Unternehmen, die ihre Aufträge im Rahmen der öffentlichen Submissionsverfahren von der Stadt Winterthur erhalten, mit den Behördenvertretern, wird als gut bis zufriedenstellend bezeichnet. Wenig Verständnis finden
die teilweise hohen Gebühren bei Bauvorhaben, auch wenn diese vielfach auf den Kunden abgewälzt werden können. Weshalb ein Tiefbauunternehmen, das Belagsarbeiten für die Stadt Winterthur nur in der Nacht
ausführen kann, um nicht zuletzt auch den ÖV nicht zu behindern, dafür eine Bewilligungsgebühr bezahlen muss, ist nicht ganz einfach zu erklären.


Grossen Unmut schliesslich löste neben der erneuten Erhöhung der Wasser- und Stromgebühren, der Entwurf der Parkplatzverordnung aus, zu welcher sich der KMU-Verband bereits wiederholt in den Medien geäussert hat. Es genügt darauf hinzuweisen, dass der Entwurf, nicht nur der Eigentumsgarantie, sondern auch den Wirtschaftsförderungsmassnahmen in Winterthur diametral entgegenläuft. Besonders störend daran ist, dass die Stadt Winterthur glaubt, die heutigen Mobilitätsansprüche der gesamten Bevölkerung und in diesem Zusammenhang an erster Stelle der Autofahrer, mittels Verboten disziplinieren zu müssen, anstatt, wie in anderen Ökologiebereichen, mit Beispielen und Modellen ein praktisch umsetzbares und umweltgerechtes Verhalten den einzelnen Verkehrsteilnehmern aufzuzeigen.

 

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